Die ersten Tage mit dem neuen Familienmitglied


Sicherheit

Eure Hunde leben nun in einem völlig neuen Umfeld und sind natürlich entsprechend verunsichert. Deshalb sollte Euer Hund auch im Haus in der Anfangszeit ein Halsband und ein Geschirr oder 
Sicherheitsgeschirr tragen. Wir raten in der Eingewöhnungsphase zu einer Hausleine (Infoblatt „Hausleine").

Die Hunde sollten nach dem Transport und in der ersten Zeit immer die doppelte Sicherung mit Martingal/Zugstopp Halsband und Sicherheitsgeschirr/Geschirr sowie 2 Leinen tragen bei Spaziergängen und Ausflügen. Alle Hunde sind wahre Verrenkungskünstler und können sich in Sekundenschnelle aus einem „normalen" Geschirr winden.

Bitte keine Flexi -Leinen verwenden. Wenn Euch die Flexi- Leine mal aus der Hand rutscht, bekommt der Hund möglicherweise Panik, wenn das Plastikteil beim Laufen ständig auf den Boden schlägt. Außerdem sind schwere Brandverletzungen möglich, wenn die Leine zwischen die Beine gerät.

Bitte sichert Euren Hund im Auto durch ein Trenngitter zum Fahrerraum, eine geeignete Hundetransportbox oder eine Anschnallvorrichtung für Hunde Bitte SCHLIESST oder ÖFFNET die Autotüren bzw. den Kofferraum erst, wenn der Hund mit seinen beiden Leinen vorher durch einen Mitfahrer gesichert oder an der Kopfstütze befestigt wurde um ein plötzliches Entwischen oder Einklemmen zu verhindern !

Solltet Ihr alleine fahren, empfiehlt es sich die Leine, die am Sicherheitsgeschirr des Hundes befestigt ist, direkt an der Kopfstütze oder im Kofferraum sicher zu befestigen, auch während der Fahrt. ÖFFNET und SCHLIESST die Türen oder den Kofferraum immer ganz langsam und vorsichtig!

Auch wenn Euer Hund noch so anhänglich oder verschmust erscheint, lasst Euren Hund NIEMALS in einem NICHT sicher und hoch eingezäuntem Gelände ohne Leine laufen in der Anfangszeit. Erst wenn der Rückruf ausgiebig lange trainiert wurde mit intensivem Schleppleinentraining und dies sicher klappt bei Spaziergängen, kann die Ableinbarkeit in wildarmen und sehr sicherem Gelände ohne Gefahrenquellen (wie Straßen usw. in der Nähe) langsam erfolgen.

Besonders ist aufzupassen bei Jagdhunden jeglicher Art,  da diese ein spezielles Training benötigen, wo am besten mit rasseerfahrenen Hundetrainern gearbeitet wird.

Bitte achtet Zuhause darauf, dass Euer Hund nicht durch offen stehende Türen oder Fenster entwischen kann. Bitte bedenkt, dass sich die Bindung zwischen Tier und Mensch erst langsam aufbaut. Wir möchten gemeinsam mit euch verhindern, dass Situationen entstehen, in denen euer gerade angekommener Hund weglaufen könnte.

 

Sicherheitsgeschirr und Halsband mit zwei Leinen
Sicherheitsgeschirr und Halsband mit zwei Leinen

Baden

Zeitnahes Baden lässt sich meist nicht vermeiden - die Hunde sind danach froh, richtig sauber zu sein. Das Baden hat auch insofern Sinn, dass mögliche Giardienzysten und Wurmeier aus dem Fell ausgewaschen werden.

Auch die vorhandenen Hunde haben es leichter, wenn der neue Vierbeiner nicht den Geruch von Angst, Stress und Dreck an sich kleben hat. 


Entwurmung

Euer Hund wurde im Tierheim bereits entwurmt, die Gabe der Wurmkuren ist im EU-Heimtierausweis eingetragen.

Sollte die letzte Entwurmung erst wenige Tage zurück liegen ist es normal, wenn der Hund die Würmer noch mit dem Kot ausscheidet. In den meisten Fällen infiziert sich der Hund im Ausland sofort wieder mit Wurmeiern, darum ist eine erneute Entwurmung jetzt nach der Ankunft sehr wichtig. 

Solltet ihr noch lebende Flöhe sehen, bitte nochmals ein Spot-on Präparat vom Tierarzt auftragen. 


Infektionskrankheiten - s.a. extra Punkt Auslandskrankheiten

Zur Reisevorbereitung wurde euer Hund geimpft, entwurmt, gegen Parasiten behandelt und erwachsene Hunde wurden kastriert. Das hat sein Immunsystem deutlich gefordert.

Dazu kommt nun der Transport und die Klimaumstellung.

Hier im neuen Zuhause ist euer Vierbeiner einem ganz anderen Keimspektrum ausgesetzt, so dass er in der ersten Zeit gehäuft zu Infekten wie Erkältungskrankheiten, Darminfekte und Augenentzündungen kommen kann. Das ist auch bei uns Menschen nach langen Auslandsaufenthalten nicht anders. Deshalb solltet ihr eurem Hund genügend Zeit und Ruhe zur Akklimatisierung geben.

Meist sind einfache Hausmittelchen ausreichend. Bevor euer Hund aus Sorge gleich wieder beim Tierarzt auf den Kopf gestellt wird, beraten wir euch auch in medizinischen Fragen gerne.


Ernährung

 Bitte füttert noch ein einfaches handelsübliches Trockenfutter und stellt Euren Hund ganz langsam frühestens nach 4 Wochen auf euer Wunschfutter um. Hat Euer Hund Durchfall so empfiehlt es sich gekochten Reis mit gekochtem Puten/Hühnerfleisch zu füttern. Dazu etwas Frischkäse, pürierte gekochte Karotte oder geriebener Apfel. Untergewichtige Hunde sollten 3 bis 5 mal täglich mit etwas kleineren Portionen gefüttert werden.

Für die Vertrauens-und Bindungsarbeit sollte auch ein Anteil des Futters per Handfütterung gegeben werden.


Muskelkater

Eure Hunde hatten meist keine oder wenig regelmäßige Bewegung. So ist dann natürlich die Freude groß, wenn Herrchen und Frauchen nun tägliche Spaziergänge machen.

Insbesondere junge Hunde toben sich auf gesichertem Gelände oft bis zur völligen Erschöpfung aus. Aber bereits Minuten später kann es mit der Freude vorbei sein, Euer Hund humpelt, will nicht aufstehen, hat Schmerzen. Im günstigsten Fall ist es schlimmer Muskelkater, aber auch Muskelfaserrisse mit Einblutung in den Muskel, Sehnen- und Gelenkverletzungen können auftreten, denn euer Hund hat völlig unvorbereitet (meist noch mangel- und unterernährt) körperliche Höchstleistungen vollbracht.

Analog zum Menschen wäre es so, als wenn ihr nach langer Krankheit ohne Training gleich einen Marathon laufen würdet.

Deshalb ist es wichtig, die Spaziergänge wohl zu dosieren, damit eure Hunde erst mal eine vernünftige Muskulatur aufbauen können.

Ein Muskelaufbau ist natürlich auch erst möglich, wenn der Hund nicht mehr untergewichtig ist. Also weniger ist am Anfang viel mehr.

Dazu kommt, dass "intellektuelle" Spiele den Hund auch fordern und dies die Bindung zu seinem Menschen stärkt. Glastüren, Spiegel und Balkontüren werden oft nicht erkannt, so dass diese eine Gefahrenquelle darstellen. Diese kann man am Anfang mit Zetteln bekleben.


Rückzugsmöglichkeiten

Viele Hunde sind mit der neuen Umgebung überfordert und suchen einen Rückzugsort. Sehr gut eignet sich dafür eine Box, denn so muss der Hund die Umgebung nicht kontrollieren und kann sich besser entspannen.

Hunden, die zur Hyperaktivität neigen und rastlos ihrem neuen Besitzer hinterherlaufen, ist wirklich geholfen, wenn man sie zur Ruhe zwingt. Sonst solltet Ihr den Hund in Euren täglichen normalen Alltag integrieren, damit Euer Hund gleich die vorhandenen Strukturen erlernt

. Es ist nur verwirrend für den Hund, wenn sich erst alles um ihn dreht und sich das nach ein paar Wochen wieder komplett verändert.


Verhalten

Möglichst von Anfang an normal mit dem Hund umgehen, auch wenn er ängstlich ist. Je mehr man auf seine Angst eingeht, desto mehr verstärkt man diese. Selber ruhig, souverän und gelassen sein- das brauchen Hunde um zu Vertrauen und sich uns anschließen zu können.


Stubenreinheit

Es kann durchaus sein, dass ein erwachsener Hund mal 24 Stunden kein "Pipi" macht. Nicht böse sein sollte in den ersten Tagen etwas da neben gehen. Öfters rausgehen und loben wenn es draußen klappt. Wenn es doch im Haus passieren sollte, den Hund nur dann mit einem klaren NEIN darauf hinweisen (das dies nicht richtig ist), wenn es direkt vor Euren Augen passiert und sofort mit ihm rausgehen. Auch nach aufregendem Besuch oder Erlebnissen sowie bei manchen Hunden/Junghunden/Welpen auch ca. 20 Minuten nach dem Fressen kurz nur zum „PIPI" machen vor die Türe gehen.

Bitte achtet auch auf Anzeichen von Umherlaufen, Unruhe und komischen Hinsetzen-auch dann sofort rausgehen.

Alle Erfolge draußen loben. Auch ist es sinnvoll, am Anfang immer den gleichen kurzen Spazierweg zu gehen.

Es sind anfangs ruhige Plätze im Garten oder der nahen Umgebung zu bevorzugen, auch nochmal nach dem Spaziergang diese besuchen, denn häufig klappt das Ganze vor lauter Aufregung beim Spazierengehen noch nicht.


Allein bleiben

Allein bleiben sollte vom ersten Tag an in kleinen Schritten geübt werden. Egal wie lange oder wie oft Euer Hund irgendwann alleine bleiben soll: die Tatsache, dass er es kann, wird Euer gemeinsames Leben deutlich unkomplizierter und stressfreier gestalten.

Das heißt nicht, dass Ihr direkt am ersten Tag das Haus verlassen und Eurem Hund dem Schicksal überlassen sollt.

Das Zuweisen eines Liegeplatzes ist wichtig und er sollte auch dann liegen bleiben, wenn man sein Blickfeld verlässt.

Der Gang zur Toilette, in den Keller oder zu den Mülltonnen vorm Haus ohne vierbeinigen Anhang sind die ersten wichtigen Schritte zum Alleine bleiben.

 

Plastikboxen sind meistens sehr stabil und werden gut angenommen
Plastikboxen sind meistens sehr stabil und werden gut angenommen

Katzen

Habt Ihr Katzen in der Familie, seit bitte trotz Katzentest im Ausland vorsichtig bei der Zusammenführung. Lasst die Tiere nicht alleine und nutzt eine Hausleine beim Hund. Gebt Euren Katzen Rückzugsmöglichkeiten, die der Hund nicht erreichen kann- z.B. durch ein Trenngitter an der Treppe/zum Zimmer. Korrigiert falsches Verhalten sofort ruhig und sehr bestimmt.

Wenn Ihr bereits einen Hund in der Familie habt, vergesst auch nicht die tierische Sicht Eures eigenen Hundes. Er sieht das Ganze unter Umständen am Anfang nicht nur positiv mit dem neuen Familienmitglied. Für ihn ist der Neue erst einmal ein fremder Hund, den er nicht kennt. Hier braucht es ein wenig Zeit, Ruhe und Geduld die Tiere aneinander zu gewöhnen und miteinander vertraut zu machen. Manchmal braucht es nur wenige Tage aber es können auch Wochen vergehen bis alles vollkommen harmonisch funktioniert.

Wenn Ihr euch unsicher seit bei der Rudel Zusammenführung, sprecht uns an und wir geben euch Ratschläge für ein harmonisches Miteinander.

 

Zeit geben, sich aneinander zu gewöhnen
Zeit geben, sich aneinander zu gewöhnen

Euer neues Familienmitglied ist nun endlich da und es gibt viele Fragen, die auf Euch zukommen können.

Auch nach der Vermittlung helfen wir euch gerne weiter und sind für euch da. Scheut euch nicht uns bei Fragen oder Problemen einfach anzusprechen. Wendet Euch an Euren Betreuer oder wenn ihr diesen nicht erreicht, bei dringenden Sachen an einen anderen Ansprechpartner unseres Teams.

Nutzt bitte unsere langjährigen Erfahrungen, die wir über die vielen Jahre gesammelt haben. Das erleichtert euch die Eingewöhnungszeit und spart euch vermeidbare Kosten (z.B. beim Tierarzt/Hundetrainer).

Wir alle wünschen Euch mit eurem Hund einen guten Start in das gemeinsame Leben und danken Euch von Herzen dafür, das ihr einem unserer Schützlinge die Chance auf ein neues, schönes Leben an eurer Seite geschenkt habt.

Euer Team vom Tierschutzverein Engel für Hunde